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VanVelzen

Who the fuck is VanVelzen?
Diese Frage ist reine Koketterie. In den Niederlanden, seiner Heimat, ist der Name ein feststehender Begriff: Roel VanVelzen, 30, spielt ausverkaufte Shows in Serie, das Publikum kennt jede einzelne Zeile seiner Songs; das Debüt-Album „Unwind" ist hoch dekoriert, kein Titel wird 2007 häufiger im Radio gespielt als seine Single Baby get higher. Die Frage spielt aber auch augenzwinkernd mit VanVelzen selbst, mit seiner Körpergröße und Persönlichkeit: Er ist nur 1,50 Meter groß, humorvoll, schlagfertig und von entwaffnendem Charme. Er legt ein Selbstverständnis an den Tag, als sei sein Weg von Geburt an vorgezeichnet, und das mit Recht.
„Ich stamme aus einer Musikerfamilie", erzählt VanVelzen, „und wenn ich zurückdenke, mache ich seit meiner Kindheit eigentlich kaum etwas anderes als Musik." Roels Vater spielt diverse Instrumente und steckt seinen Sohn mit seiner Begeisterung schon früh an. Die Initialzündung aber liefert die Mutter: Nach der Trennung seiner Eltern und dem Auszug des Vaters steht dessen Studioraum im Haus leer, er soll nun Roels Musikzimmer werden. Welches Instrument er den spielen wolle, fragt die Mutter. Für den Jungen gibt es keine zwei Meinungen. Schlagzeug! Seine Mutter hält zähneknirschend Wort, kurze Zeit später ist sein Wunsch Realität.
„Mein Vater hatte drei Schallplatten im Studio zurückgelassen, und ich glaube ihm bis heute nicht, dass er sie zufällig dort vergessen hat: Es waren Alben von den Beatles, Fleetwood Mac und Queen." Roel saugt die Musik förmlich auf, spielt mit Kopfhörern und bis zum Anschlag aufgerissenem Regler zu den Songs. Will seine Mutter ihren Sohn zum Essen rufen oder überhaupt zu Gesicht bekommen, dreht sie die Sicherungen raus. Nichts anderes hilft.
VanVelzen spielt in verschiedenen Bands, meist als Schlagzeuger und Sänger zugleich, er nutzt die Open Stage seiner Schule, einmal schreibt er kurzerhand ein Schulmusical neu, weil ihm die alte Version zu langweilig erscheint. „Die Musik hat mich dazu gebracht, die Schule überhaupt durchzuziehen. Sie war der einzige Grund."
Später, als er Kommunikationswissenschaften studiert, steigt er in eine Studentenband ein. Als Keyboarder, denn einen Schlagzeuger gibt es bereits. „Ich weiß gar nicht, seit wann ich Klavier spiele. Wirklich gelernt habe ich es nie - aber es funktioniert." Und zwar so gut, dass er vom Geschäftsführer der Show „Crazy Pianos" verpflichtet wird. Das Konzept: zwei Klaviere, zwei Pianisten face-to-face, ein Tasten- und Gesangsduell um die Gunst des Publikums, das spontan den nächsten Song bestimmt. Was gerade gewünscht ist - es könnte ausnahmslos jeden Song der Pophistorie treffen, und es wird augenblicklich eine eindrückliche Performance erwartet. „Innerhalb kurzer Zeit hat sich mein Repertoire von 20 auf 2000 Titel erhöht! Es war fantastisch, eigentlich eine fünfjährige, voll bezahlte Probe." VanVelzen nutzt die Gelegenheit, um sich auszuprobieren und herauszufinden, mit welchen Mitteln er das Publikum für sich gewinnt.
„Schlagfertigkeit und schnelles Improvisieren - das liegt mir einfach. Na klar, schon als Kind konnte ich körperlich nicht mithalten, ich musste mich anders zur Wehr setzen, mir andere Wege suchen. Da ergibt sich das fast von allein."
VanVelzen ist redegewandt, strahlt Lockerheit und eine den Amsterdamern eigene Weltoffenheit aus. Vor allem aber wohnt in ihm eine unbändige Energie. Er hat dieses gewisse Funkeln, mit dem er ein ganzes Publikum genauso wie den einzelnen Gesprächspartner in wenigen Augenblicken um den Finger wickelt.
Das ergeht auch seinem heutigen Manager Ruud Vinke nicht anders, nachdem er VanVelzen bei „Crazy Pianos" gesehen hatte. Ein eigenes Album soll her, und gemeinsam entwickeln sie den VanVelzen-Plan. Bei einem Abendessen, auf einem Bierdeckel: VanVelzens Name in der Mitte, das gewünschte Team rundherum. Möglichst vieles soll in der eigenen Hand bleiben, man will sich nicht in die Abhängigkeit eines der kriselnden Platten-Majors begeben. Hochgesteckte Ziele. Auch wenn der Bierdeckel mittlerweile nicht mehr aufzufinden ist – der Plan ging auf. Gemeinsam mit Vinke bildet VanVelzen nun seit fünf Jahren ein kongeniales Gespann, umgeben vom stetig wachsenden, aber nach wie vor sehr familiären „Team VanVelzen", das vom Produzenten über den Promoter bis zum Roadie reicht. Drei Jahre dauert die Arbeit am Debüt „Unwind", lange wird gefeilt und probiert. Mit Erfolg: Seit 2006 eilt VanVelzen von Auszeichnung zu Auszeichnung. Einerseits hat sich sein Leben seitdem kaum verändert – es besteht wie früher aus Musik, und es gibt kaum einmal fünf Minuten, in denen VanVelzen nicht einen Song auf der Gitarre, am Piano oder a cappella zum Besten gibt. Andererseits hat er sich mit seinem Erfolgs-Debüt einen eigenen Weg gebahnt, und viele, zuvor scheinbar lose Enden führen nun zusammen. Es ist wie eine Entfesselung. Und genau so klingt es auch.
Das Album: Unwind
„Unwind" ist trotz ruhiger Momente das Gegenteil von kleinteilig und introvertiert. Es ist die große Geste, für die sonst Namen wie Chris Martin oder Robbie Williams stehen. Beatleske Arrangements und Chöre gehen eine Liaison ein mit der Kraft eines Freddie Mercury, dazu vielleicht noch die ein oder andere Prise Verspieltheit von Fleetwood Mac - als hätte VanVelzens Vater es damals geahnt. Das Gefühl für Dynamik und Emotion, die Energie in jeder einzelnen Note treibt Songs wie Deep oder Shine a little light unwiderstehlich nach vorn und direkt ins Ohr. Das ist VanVelzens Markenzeichen, live und im Studio. „Es kommt sogar vor, dass ich versuchen muss, die Spannung in meiner Stimme zu reduzieren. An Someday zum Beispiel haben wir so lange herumprobiert, bis ich den Song am Ende erschöpft und auf dem Boden liegend eingesungen habe. Dann hat es auf einmal gepasst."
Einige Texte sind autobiographisch geprägt, beruhen auf Erlebnissen, Gefühlen oder Erinnerungen. „Ich habe meine rastlosen Momente, in denen ich unzufrieden bin. Eine Freundin sagte in einem solchen Augenblick einmal zu mir: Nur Verrückte können jemals zufrieden sein.„ Ein schöner Satz - aber dann bin ich gern verrückt! Mein Leben lang, Fool for life! "
Häufig inspirieren VanVelzen aber auch einfach Worte, die ihm in den Kopf kommen, aus einem Buch, einem Film, einem beiläufigen Gespräch. „Es gibt Sätze, die Aussagekraft haben, gut klingen und einfach hängen bleiben. Ich denke dann häufig: ‚Diese Zeile hätte einen Song verdient!„" Und das ist der Anstoß für den kreativen Prozess, an dessen Ende wahre Hymnen wie Baby get higher stehen, die erste in Deutschland erscheinende Single-Auskopplung aus „Unwind".
Vielleicht ist es genau dieser Sinn für die eine ausschlaggebende Zeile, die VanVelzen dazu befähigt, all seine Vielseitigkeit, sein Können und seine Leidenschaft auf eine Weise zu bündeln, dass etwas Großes daraus erwächst. Denn das ist VanVelzen: große Popmusik, im besten Sinne.
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